05.06.-06.06.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Dunhuang – Am Rand der Wüste und am Fuss der Tibetischen Hochebene

China ChinaGestern und heute verbrachten wir in Dunhuang. Besonders sehenswert waren die Felsskulpturen in den 1000 Buddhas Grotten von Mogao und Xi Qianfodong sowie die spektakulären Sanddünen am Rande der Stadt mit 200 zu 300 m hoch aufragenden Sandbergen. Gleich gegenüber den Sanddünen ist ein Werk der modernen Technik zu bestaunen. Ein riesiges Solarkraft mit einem Feld von mehreren Hektare thermischer Sonnenkollektoren.

Im alten kaiserlichen China war Dunhuang eine der ersten Städte hinter der Grossen Mauer. Unweit von hier ist das westliche Ende des mehrere tausend  Kilometer lange Bauwerks. Die Stadt hat sich zu einem veritablen Touristenzentrum entwickelt mit eigenem Flughafen und den entsprechenden Einrichtungen für Touristen. Wie of in China werden Sehenswürdigkeiten aufgemotzt und ausgerüstet mit Verkaufsläden, grossartigen Empfangshallen und teilweise in Erlebniswelten umgewandelt. Es entsteht dabei oft eine kuriose Mischung aus Disney Land und Kulturstätte mit gepfefferten Eintrittspreisen.

Heute sind auch zwei neue, zusätzliche Mitreisende zu uns gestossen und werden uns begleiten bis nach Wladiwostok. Daher muss auch die Verteilung auf die verschiedenen Autos neu gemacht werden unter Berücksichtigung gewisser Sachzwänge die sich zum Teil aus gruppendynamischen Entwicklungen ergeben haben.

In den Feedback Mails werde ich immer wieder gefragt wie den die das Zusammenleben in dieser selbst gewählten, temporären Schicksalsgemeinschaft funktioniert. Ich kann nur sagen es funktioniert, dank gutem Willen aller Beteiligten. Es gibt aber immer wieder Herausforderungen die bewältigt werden müssen. Ein wahres Biotop um menschliches Verhalten zu beobachten.

In unserer Gruppe gibt es ein buntes Gemisch von Verhaltensmustern und Eigenheiten: Die Besser- und Alleswisser, die Nörgeler und Meckerer, die Stillen und die Lauten, die Kampf- und die Teetrinker, die Früh- und Spätaufsteher, die viel und alles Fotografierend und die Nicht-Fotografierenden, die Grosszügigen und die Kleinlichen, die Polternden und die Kapriziösen, die Frohnaturen und die Leidenden, die Pragmatiker und die Dramatisierenden, die forschen Schnellfahrer und die vorsichtigen Gemütlichfahrer, Obristen die sich gewohnt sind Befehle zu empfangen und auszuführen, Individualisten die alles immer etwas eigenwillig und anders machen wollen.

Was ist zu tun wenn sich eine Crew nicht einigen kann ob man bei 37 Grad Aussentemperatur mit Klimaanlage fahren soll oder mit offenem Fenster, zumal sich der „offen Fenster“-Fahrer mit einer entsprechenden Schutzbrille gegen Fahrtwind und Staub ausgerüstet hatte. Nur eben die Mitfahrer waren nicht ausgerüstet und schmorten in der Hitze. Diese Liste von Banalitäten, es sind meistens immer nur kleine Dinge, könnte beliebig fortgesetzt werden

Eine nicht ganz einfache Aufgabe für den etwas gar selbstgefälligen Expeditionsleiter der aber im entscheidenden Moment immer die richtigen Entscheide zu fällen weiss, ganz wie die US-amerikanische Aussenpolitik:  At the end they do the right thing, after having explored all other options. Eine solche Gruppe zu leiten mit all ihren administrativen, technischen, gesundheitlichen, logistischen und menschlichen Problemen ist wahrscheinlich so anspruchsvoll wie ein Opernhaus zu führen. Alle haben aber ein gemeinsames Ziel, nämlich Ende Juli in Wladiwostok anzukommen.

 

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