09.05.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Tabriz (deutsch Täbris) – Kulturelles Zentrum der iranischen Aserbaidschaner

Iran IranGestern am späten Nachmittag erreichten wir die iranische Grenze nach einer atemberaubenden Fahrt durch das armenische Hochland über drei 2000er Pässe. Die Ausreiseprozedur in Armenien war mühsam und nahm viel Zeit in Anspruch. Demzufolge  waren wir zu spät um die Einreiseformalitäten in Iran zu erledigen zumal noch eine halbe Stunde Zeitunterschied zwischen den beiden Ländern ist und der Zoll auf der iranischen Seite um drei schliesst.

Entgegen unseren schlimmsten Befürchtungen waren die iranischen Beamten äusserst freundlich und flexibel. Sie machten uns zu Liebe sogar Überstunden. Wir waren überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Iraner. Sogar die Revolutionsgardisten machten mit und liessen uns passieren unter einem Porträts ihres Führers.

Wir fuhren dann in einem Flusstal gegenüber der Grenze zur aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan etwa 40 km bis zur Hauptstrasse. Dabei hatten wir nochmals die Gelegenheit auf die schneebedeckten Gipfel des Kleinen Kaukasus zu schauen und erreichten Tabriz am späten Abend.

Der Gegensatz zwischen Armenien und Iran könnte nicht grösser sein. Auf der einen Seite ein armes christliches Land und auf der anderen Seite ein moderner islamischer Staat mit einer augenfällig viel besseren Infrastruktur angefangen bei den Strassen.

Autofahren in Iran ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Sie kümmern sich nicht um Verkehrsregeln, falls sie überhaupt welche kennen. Es gilt nur vorwärts zu kommen, so schnell als möglich, auch an der Tankstelle. Die sonst freundlichen Menschen können sich in Sekundenschnelle zu kleinen Ungeheuern entwickeln wenn man sie ans Steuer eines Autos lässt.

Irgendwie hatte ich mir Iran anders vorgestellt; rückständig, konservativ, depressiv und verschlossen. Dabei kommt mir Samuel Johnson in den Sinn der gesagt hat:

Der Sinn des Reisens besteht darin, unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren. Statt uns die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte, sehen wir sie wie sie ist.

Heute Freitag besuchten wir die Millionenstadt Tabriz mit einer eigenen hochmodernen U-Bahn. Sie ist eines der grössten kulturellen Zentren der iranischen Aserbaidschaner. Da die Stadt sehr weitläufig ist nahmen wir Taxis um sie zu erkunden. Wir besuchten den Basar, es soll der grösste im Iran sein, das Qajar Museum und die Blaue Moschee. Interessanterweise sah ich auch zwei armenische Kirchen, eine davon ganz in der Nähe einer Moschee.

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