11.06-12.06.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Lhasa – Eine Stadt im Belagerungszustand

China ChinaNach der fast 1200 Km langen strapaziösen Fahrt durch die riesige tibetische Hochebene, die durchschnittlich 4500 müM liegt, war es eine Wohltat einige Tage in der tiefer gelegenen Himalaya Stadt Lhasa auf einer Höhe von „nur“ 3800 müM zu verbringen. Sie liegt in einem von Bergen gesäumten Tal und verfügt über eine sehr gute touristische Infrastruktur und empfängt auch jahrein, jahraus viele einheimischen Pilger.

Alle unsere Fahrzeuge sind in der Werkstatt zur Reparatur und oder zu einer vorsorglichen Untersuchung. Die Ersatzteile für Martin‘s Toyota sind in Peking eingetroffen und müssen nun noch verzollt und nach Lhasa geflogen werden. Wir hatten daher viel Zeit die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten zu entdecken bei angenehmen Tagestemperaturen um die 25+.

In meinem Beitrag vor zwei Wochen zu Kashgar schrieb ich „Eine Stadt im Ausnahmezustand“. Hier in Lhasa ist alles noch viel schlimmer. Die Stadt ist übersät mit Überwachungskameras, militärischen und polizeilichen Kontrollposten und eigentlich darf man sich nur mit einem Führer und in Gruppen in der Stadt bewegen. Bei allen grossen Sehenswürdigkeiten wird man kontrolliert wie auf einem Flughafen und muss seinen Pass und Eintrittskarten vorweisen. Scharfschützen stehen auf den Dächern der umliegenden Gebäude und Geheimpolizisten in Zivil, erkennbar an ihren „unauffälligen“ Knöpfen in den Ohren, patrouillieren und observieren die Touristen und Pilger. Das ganze kommt in unserer Gruppe sehr unterschiedlich an. Für die einen ist es ein Gefühl der Sicherheit und für die anderen ein Belagerungszustand.

Am Mittwoch besichtigten wir den 130 m über der Stadt thronenden Potala Palast. Er war der ehemalige Sitz und das Wohnquartier des Dalai Lama und ist das strahlend schöne Wahrzeichen der tibetischen Hauptstadt. Von hier aus hat man auch einen prächtigen Ausblick auf die Stadt die in den letzten Jahren rasant gewachsen und heute eine moderne chinesische Stadt mit über 200‘000 Einwohnern geworden ist. Am Nachmittag besuchten wir das Kloster Sera. Besonders interessant war der schattige Debattierhof wo sich die Novizen mit ihren Lehrern in kleinen Gruppen angeregt in Streitgesprächen mit grossen Gesten messen.

Am Donnerstag besuchten wir den äusserlich zwar nicht besonders beeindruckenden Jokhang Tempel. Dieser Komplex wird of auch als Kathedrale bezeichnet und ist der heiligste Ort in der Welt des tibetischen Buddhismus. Die Freude der Pilger ist spürbar und es entsteht in und um den Tempel eine ansteckende ehrfurchtsvolle Atmosphäre vergleichbar mit einer Pilgerfahrt die ich einmal mit meiner verstorbenen Mutter nach Lourdes gemacht hatte. Am Nachmittag verabschiedeten wir unseren Mitreisenden und Ehemann von Ellinor Marcel, der zwar erst in Dunhuang zu uns gestossen war, aber aus geschäftlichen Gründen dringend nach Hause musste.


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