13.06.-15.06.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Lhasa – Muslimische Metzger und kahlgeschorene Nonnen

China ChinaFrançois und Zhang waren ständig unterwegs um die Reparatur der Autos zu überwachen und Alternativen für eine neue, dem Zeitplan entsprechende Route inklusive Unterkunftsmöglichkeiten sowie Szenarien für den „worst case“, falls ein Teil der Teilnehmer heimfliegen müsste, zu entwickeln.

Die Autos waren mechanisch geflickt aber der „Reset“ der Elektronik scheiterte an unterschiedlichen Computersystemen und oder Softwareversionen. Intensive Beratungen mit Fachleuten in der Schweiz und Mitsubishi Schweiz führten zu keinem Ergebnis. Die Unterstützung von Mitsubishi Schweiz war nicht sehr hilfreich. Sie arbeiten fast wie die Schweizer Flugwaffe; nur Montag bis Freitag während den Bürozeiten. Die vier Autos scheinen nicht zu halten was in den Werbeprospekten und „Dakar Rally“ Werbefilmen von Mitsubishi suggeriert wird, sondern sind eher gedacht um auf Schweizer Autobahnen herumgefahren zu werden.

Zhang versuchte auch unermüdlich mit der chinesischen Mitsubishi Organisation das Problem zu lösen. Es gelang ihm schliesslich im einigen tausend Kilometer entfernten Shanghai einen Experten zu finden der via Fernbehandlung in der Lage war die Elektronik zu „reseten“.

Im Moment ist die Expeditionsleitung dabei die etwas revidierte Route neu zu planen und es ist vorgesehen das wir am Montag morgen weiterfahren werden.

Der unverhoffte längere Aufenthalt gab uns die Möglichkeit weitere interessante Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung anzuschauen. Am Freitag, einem wichtigen buddhistischen Feiertag, besuchten wir die einst grösste Klosterstadt der Welt in Drepung, die im Mittelalter unter dem 5. Dalai Lama über 10000 Bewohner hatte. Bis zur 5. Inkarnation und vor dem Umzug in den Potala Palast war Drepung Sitz der tibetischen Oberhäupter und geistiges Zentrum. Die Anlage ist so gross das man in einem Tag unmöglich alles besichtigen kann. Sie beherbergt heute immer noch mehrere Fakultäten für universitäre Studien. Um als Mönch aufgenommen zu werden braucht es erst einmal die Entscheidung über die Aufnahme durch den Klostervorsteher sowie einer Prüfung durch die chinesische Regierung.

Von den Dächern der Anlage hatte man eine herrliche Aussicht auf das  Flusstal von Lhasa. Der Fluss ist übrigens ein Zubringerfluss des Bramhaputra der nach Indien fliesst und sich mit dem Ganges, der im westlichen Ende des Himalaya entspringt, kurz vor Kalkutta vereint.

Samstag war Journée libre. Zusammen mit Ellinor bin ich in die Altstadt Barkhor mit ihren verwinkelten Gassen gefahren. Wir liessen uns vom Taxifahrer bei der Hauptmoschee absetzen und beobachten die umtriebigen muslimischen Händler und Gewerbler. Vor allem das Metzger Gewerbe ist vollständig in muslimischer Hand da Buddhisten keine Tiere töten dürfen. Mitten in diesem Händler Quartier fanden wir dann das tibetische Nonnenkloster Ani Tsangkung. Die kahlgeschorenen Nonnen waren kein besonders schöner Anblick. Man musste zweimal hinsehen um sich zu vergewissern das es keine Männer waren. Wir verbrachten eine Stunde im lauschigen Klostergarten tranken Milchtee und assen ein Nudelgericht. Wir waren die einzigen Westler inmitten der Pilger. Da wir zur Gebetszeit da waren, herrschte eine lebendige, aber dennoch tief religiöse Atmosphäre. Nach dem ausgiebigen Spaziergang durch das Quartier gönnten wir uns ein kühles Bier auf einer Terrasse am Barkhor Platz und beobachteten das Treiben rund um den Jokhang Tempel.

Heute Sonntag hat es zum ersten mal geregnet im Tibet und die Temperaturen sind merklich zurück gegangen. Ein idealer Moment für einen Sonntagsjass den Ellinor und Othmar ehrenvoll verloren hatten.

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