16.05.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Turkmenistan – Willkommen in Absudistan

Turkmenistan TurkmenistanAls wir am frühen Morgen erwachten trauten wir unseren Augen kaum. Da wir in der Nacht von der Grenze bis Mary fuhren hatten wir kaum etwas gesehen, ausser das wir in einem grossartigen Hotelpalast abgestiegen waren in einer kleinen Provinzhauptstadt im Landesinnern mitten in der Karakum Wüste.

Turkmenistan hat etwas Unwirkliches wie eine Fata Morgana. Überall neue Paläste, luxuriöse, marmorverkleidete Verwaltungsgebäude mit riesigen Porträts des Präsidenten, Parkanlagen, blitzblank saubere breite Boulevards. Turkmenistan hat aber auch Regeln. Im Gegensatz zum Westen darf im Freien und in der Öffentlichkeit nicht geraucht werden, dafür aber in Gebäuden, Restaurants und Hotels; alles nur weil der Präsident aufgehört hat zu rauchen. Da der Präsident jetzt dafür Sport betreibt hat er überall im Land palastähnliche Turnhallen errichten lassen und das Volk angewiesen sich regelmässig körperlich zu ertüchtigen um sich fit zu halten. Auch fürs Autofahren bestehen einschlägige Bestimmungen, es ist verboten mit einem schmutzigen Auto herumzufahren und auch Hupen ist nicht erlaubt. Respektiert man diese Anordnungen nicht kann es schnell sehr teuer werden. In Turkmenistan sind dafür Gas, Elektrizität, Wasser und Salz für die Bevölkerung kostenlos.

Wir fuhren dann gleich weiter durch die Karakumwüste da uns ein weiterer Grenzübertritt nach Usbekistan bevorstand. Etwa 100 km von der Grenze entfernt war Wagen 3 plötzlich mit technischen Problemen konfrontiert. An ein Weiterfahren war nicht mehr zu denken. Wir versuchten das Auto zu schleppen fanden das dann aber zu langsam und zu gefährlich. Einen Pannendienst Lastwagen transportierte dann das Auto bis zur Grenze von wo wir es wieder über die Grenze ziehen mussten um es dann einem usbekischen Abschleppdienst übergeben zu können.

Teile der Karakumwüste werden durch den fast 1500 km langen Karakumkanal der bis zum Kaspischen Meer reicht künstlich bewässert um sie landwirtschaftlich nutzen zu können. Dieser Kanal, der schon zu Sowjetzeiten gebaut wurde leitet Teil des Wasser des grossen Amudarya Flusses um.  Diese Kanal ist verantwortlich für etwa  40 % des Wasserverlustes am sterbenden Aralsee. Das Austrocknen des Sees verursachte schwere Umweltprobleme und wird als grösste ökologische Katastrophe bezeichnet.

Kurz vor der Grenze überquerten wir den riesigen Fluss auf einer Pontonbrücke um dann wieder 5 Stunden Zollprozedur über uns ergehen zu lassen. Lastwagen Chauffeure warten zum Teil 3 Tage bis sie abgefertigt werden.

Zollgebiete sind immer ein besonderes Biotop um interessante Beobachtungen zu machen über das menschliche Verhalten und es sagt sehr viel aus über ein Land und seine Beziehungen zum Nachbarland. Ein besonderes Merkmal ist dass oft die Strassen zu den Zollgebäuden in einem erbärmlichen Zustand sind weil es das andere Land nicht verdient mit einer korrekt unterhaltenen Strasse erschlossen zu sein.

Die turkmenische Zöllner sind eine ganz besondere Spezies. Alles durchwegs blutjunge, gutaussehende und adrett uniformierte Männer die ihre Inspektionsarbeit roboterhaft verrichten. Es hat schon fast etwas zerstörerisches wenn es beispielsweise darum geht fabrikneue Autos die von Dubai nach Usbekistan transportiert werden zu kontrollieren. Jedes einzelne Auto muss vom Transporter genommen werden, über einen Kontrollschacht gezogen werden und kann erst dann wieder aufgeladen werden. Alle Seitenverkleidungen und Kofferraumabdeckungen der neuen Autos werden mit Schraubenziehern aufgewuchtet um nach Schmuggelgut zu suchen aber auch um den Usbeken zu zeigen das man sie nicht mag. Wenn diese Beamten dann zwischendurch von ihren Vorgesetzten inspiziert werden grüssen sie artig und streng militärisch fast wie in  einer Schweizer Rekrutenschule zu meinen Zeiten.

Wiederum spät am Abend erreichten wir Buchara und wir genossen ein spätes Abendessen auf der Terrasse unseres Hotels mit Blick auf die alte Oasenstadt.

 

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