21.05.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Höllenfahrt auf 3000 müM

Tadschikistan TadschikistanDie heutige Reise in die Hauptstadt Duschanbe führte uns zuerst auf relativ guten Strassen durch ein liebliches Flusstal und danach über 2 Pässe auf über 3000 müM im Fan Gebirge, einem Vorgebirge des Pamir. Dabei passierten wir den brennender Berg Tadschikistans, ein schwelendes Kohlenflötz das vor mehr als hundert Jahren in Brand geriet. Danach galt es das Nadelöhr, den Anzob Tunnel von 5 km der von den Iranern gebaut wurde, zu durchfahren.

Nachdem wir artig die Maut bezahlt hatten standen wir vor dem diesem Höllentunnel, der eher einem Bergwerk gleicht als einem Verkehrsbauwerk. Würden wir auf unseren vertrauten Sicherheitsvorstellungen beharren, müssten wir die Weiterfahrt jetzt verweigern. Massive Wassereinbrüche behindern seit seiner Freigabe im Jahr 2007 immer wieder den Verkehr und die parallel laufenden Bauarbeiten. Erst eine von zwei Röhren ist in Betrieb, aber der Verkehr muss in beide Richtungen hindurch. Das Wasser am Boden verbirgt zudem tiefe Schlaglöcher. Abgaswolken und die mangelhafte Beleuchtung sorgen in der fünf Kilometer langen Röhre für 15 lange Minuten. So lange dauert die Fahrt. Ein Unfall oder ein Erdbeben könnten hier schnell zur Katastrophe führen.

Doch was aus der Ferne wie Wahnsinn erscheint, ist hier ein Gebot der Vernunft. Die Alternative war bis zum Tunnelbau eine Route, die über usbekisches Terrain führte. Die Usbeken und der Winterschnee auf den Passstrassen konnten den Verkehr zwischen den Wirtschaftszentren Duschanbe und Chudschand immer wieder empfindlich stören. Der von Iranern begonnene und jetzt von Chinesen weitergebaute Tunnel ist deswegen ein Stück Unabhängigkeit, Freiheit. Die Leute sind froh über den Tunnel, auch wenn sie über den Bauzustand schimpfen. Wie immer gibt es auch Profiteure. An beiden Enden des Tunnels lebt eine kleine Industrie von dem Dreck, den die Bauarbeiten produzieren. Hier hält man hinterher an, lässt das Auto waschen da es auch in diesem Land verboten ist mit einem schmutzigen Auto in die Hauptstadt zu fahren. Wir nutzen die Gelegenheit bis die Autos gewaschen waren eine warme Suppe zu essen und einen Tee zu trinken.

Am Nachmittag erreichten wir Duschanbe. Ich nahm mir etwa anderthalb Stunden Zeit durch die Stadt zu schlendern. Ausser einer grosszügigen mit Bäumen besetzten Prachtstrasse, einigen Denkmäler, den Regierungspalästen im neoklassizistischen Stil und Porträts des geliebten Führers Tadschikistan gab es nicht viel zu sehen.

Beim gemeinsamen Apéro briefte uns François das gemäss Informationen seines lokalen Agenten in der Stadt Khorog, an der afghanischen Grenze, Unruhen ausgebrochen wären und das der Pamir Highway bis auf weiteres militärisch gesperrt wurde. Offizielle Verlautbarungen gibt es im Moment nicht. Das DEZA Verbindungsbüro in Duschanbe wusste noch von nichts. Im Moment zirkulieren Kolonnen von Militärlastwagen vor meinem Hotel. Ich habe mir aber sagen lassen dass sie nur für ein kommendes Defilée üben.

Vielleicht ändert sich die Lage bis morgen. Vorsorglich haben wir den Abreisetermin einmal um 2 Stunden verschoben. Wenn es nicht möglich ist oder zu gefährlich werden wir halt wieder umkehren, inklusive Höllentunnel in umgekehrter Richtung und direkt auf einer anderen Route nach Kirgistan reisen.

Falls wir morgen trotzdem in den Süden Tadschikistan reisen könnten, werde ich für mehr als eine Woche stumm bleiben da wir in einer der abgeschiedensten Region der Welt sein werde ohne internet. Der nächste Ort mit Internet wäre dann Kashgar in der VR China am 29. Mai.

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