21.06.-24.06.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Taklamakan – Meer des Todes

China ChinaNachdem wir mehr als zwei Wochen in Höhen zwischen 3500 und 4800m geschlafen hatten war es eine Wohltat wieder einmal auf nur 1800m zu übernachten. Wir verbrachten die Nacht in Yecheng in der Unruhe-Provinz Xinjiang am Südrand der Taklamakan Wüste. Prompt wurden wir am frühen Morgen durch einen lauten Knall mit nachfolgendem Sirenengeheul unsanft geweckt. Wie wir dann später am Tage erfuhren, hatten Terroristen einen Anschlag auf eine Polizeistation verübt. Dabei hat die Polizei 13 Angreifer erschossen. Drei Polizisten seien bei dem Anschlag leicht verletzt worden.

Die Strasse nach unserem Tagesziel Mingfeng war zum Teil unpassierbar wegen heftiger Regenfälle in den Bergen und Schlammlawinen auf der Strasse. Die Flüsse die aus dem schneebedeckten Kunlun Gebirges am Rande der Tibetischen Hochebene kommen können sich innerhalb von Stunden in reisende Ströme mit viel Geschiebe entwickeln.Vor uns stand ein riesiger Lastwagenstau. Es blieb uns nichts anderes übrig als die Strasse zu verlassen und einige Kilometer querfeldein durch die Wüste zu fahren.

Den Mitubishis scheint die Luft in tieferen Lagen auch gut zu bekommen. Sie laufen bis auf das Pilotfahrzeug alle wieder ganz normal. Da der Partikelfilter nicht richtig funktioniert werden die Abgase ungefiltert in die Luft abgegeben. Dabei macht das Fahrzeug einen fürchterlichen Lärm, fast wie ein Helikopter.

Am nächsten Tag nahmen wir das mehr als 500 km lange Stück von Mingfeng nach Korda am Nordrand der Taklamakan Wüste in Angriffe. Diese in den 90er Jahren von den Ölgesellschaften gebaute Strasse führt durch das Herz der Taklamakan. Diese Fahrt vermittelte einen Eindruck warum die Uiguren diese Wüste „Meer des Todes“ nennen. Meine Mitreisende Marie Morand aus dem Unterwallis und ehemalige Direktorin der Kant. Museen im Wallis hat ihre Impressionen von dieses Durchquerung in einem Gastbeitrag festgehalten den ich nachfolgend publizieren werde. Danke Marie.

Am Montag fuhren wir dann auf der gleichen Strecke wie vor mehr als drei Wochen am Nordrand der Wüste und durchquerten dann das Tian Shan Gebirge um in die zwei Millionenstadt Urümqi zu kommen wo wir drei Nächte verbringen bevor wir dann weiter fahren Richtung Mongolei.

Urümqi ist das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Autonomen Gebiets Xinjiang. Sie wurde1992 offiziell zum „Hafen“ deklariert und mit enormen Steuerprivilegien ausgestattet analog der Hafenstädte wie Shanghai im Süden. Damit wurden Anreize geschaffen um kapitalkräftige Investoren anzulocken. Dies löste in der Folge einen ökononomischen Boom aus. Man kann den Kaufrausch förmlich spüren wenn man die eleganten Kaufhäuser und Boutiquen sieht. Die eindrucksvolle  Skyline ist Zeuge der unglaublich Vitalität dieses Ortes. „Hafen“ ist allerdings eine fragwürdige Bezeichnung für eine Stadt die mehr als 2000 Km von der nächsten Küste entfernt liegt.

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