24.05.-28.05.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Kirgistan – Wasser, Strom, Pferdezucht und hohe Berge

Kirgistan Kirgistan24.5.2014
Osh ist die zweigrösste Stadt Kirgistans und wir vorwiegend von Usbeken kirgisischer Nationalität bewohnt. Daher kommt es auch immer wieder zu Spannungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen, das letze mal 2010 mit mehreren Toten. Wir verliessen Osh und fuhren noch fast zwei Stunden weiter durch das Ferghantal. Diese sehr fruchtbare Ebene liegt zwischen den beiden grossen Gebirgssystemen Pamir und Tianshan und erstreckt sich über die drei Länder Tadschikistan, Usbekistan und Kirgistan. Sie ist flächenmässig etwa ein Drittel kleiner als die Schweiz aber mit mehr als 10 Mio Einwohnern was etwa 20 % der Bevölkerung Zentralasiens entspricht.

Vor dem Mittagessen besuchten wir das Mausoleum von Ozgön und fuhren danach in ein Bergdorf am Fusse der Ferghana Gebirgskette und übernachteten in Arslanbob bei Privatleuten. Das Dorf liegt in einem Naturschutzgebiet das vor allem bekannt ist für seine Nussbaumwälder. Helvetas ist dabei den Einwohnern zu helfen den Tourismus zu entwickeln.

25.5.2014
Heute ging es dann weiter durch das tiefe Flusstal des Naryn einem Zubringerfluss des Syrdarya, einer der grössten Binnenflüsse der Welt der durch Kasachstan fliesst und schlussendlich den Aral See speist mit dem wenigen Wasser das dann noch übrig bleibt. Entlang des Flusses gibt es ein mehrstufiges Dammsystem das noch von den Sowjets gebaut wurde um in erster Linie usbekisches Land zu bewässern für die landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere Baumwolle und zur Gewinnung von hydroelektrischer Energie sowohl auch als Auffangbecken bei Hochwasser. Der grösste davon ist der Toktogul Stausee mit einer Fläche und einem Fassungsvermögen das etwas mehr als der Hälfte des Bodensees entspricht. Übernachtet hatten wir in einem abgelegenen Resort, das seine Bezeichnung nicht wirklich verdient aber schön gelegen war, in einem Wald an einem rauschenden Bergbach in der Nähe der Kleinstadt Toktogul.

26.5.2014 bis 28.5.2014
Die nächsten drei Tage fuhren wir in einer der vielen Hochebenen des Tianshan Gebirges in der Provinz Naryn. Wir überquerten mehrere Pässe, zum Teil über 3000 m hoch, auf mehrheitlich üblen Rüttelpisten. Links und rechts türmten sich schneebedeckte Fünf- und Sechstausender auf. Die Menschen die diese Gegend bewohnen sind vor allem Selbstversorger und leben von der Stuten- Rinder- Schaf- und Ziegenzucht. Stuten werden bis zu sechs mal täglich gemolken. Ein Grossteil der Bevölkerung sind Nomaden, obwohl die Sowjets das Nomadentum im Prinzip einmal abgeschafft hatten, und leben in Jurtenlagern. Die erste Nacht verbrachten wir in der Kleinstadt Kochkor, einem Ort mit viel übriggebliebenen Sowjetcharme mit Hammer und Sichel Emblemen und einer grossen Lenin Statue. Die zweite Nacht verbrachten wir in einem Jurtenlager auf 3000 m in der Nähe des Tash Rabat Karavan Sarai das angeblich ursprünglich als nestorianisches Kloster im 8. Jahrhundert gebaut wurde und danach umgenutzt wurde.

Am nächsten Morgen mussten wir sehr früh aufstehen denn wir wollten um 9 Uhr an der kirgisisch-chinesischen Grenze sein. Es war bitterkalt und windig auf dieser Höhe. Die Grenze lag auf dem 3750 m hohen Turugart Pass. Die Ausreise verlief relativ speditiv. Danach mussten wir fast drei Stunden warten vor einem grossen schmideisernen Tor im Niemandsland da die Chinesen erst um 11 Uhr Peking Zeit (plus 2 Stunden) zu arbeiten beginnen. Als sich das Tor öffnete verweigerten die Chinesen vorerst die Weiterfahrt da wir nicht im Besitz der Spezialbewilligung für die Einreise waren. Kolonnen von Lastwagen fuhren an uns vorbei. Ursprünglich war vorgesehen vom Pamir her einzureisen. Für jenen Übergang benötigten wir keine Spezialbewilligung da er nicht durch ein militärisches Sperrgebiet führte. Endlich nach langen drei Stunden kam unser chinesischer Führer Zhang mit den ersehnten Papieren. Mit einer Eskorte fuhren wir dann zum Vorzoll und von dort zum Hauptzoll in der Nähe von Kashgar. Jedes mal mussten wir alles Gepäck ausladen und inspizieren lassen. Zwischendurch gab es dann noch eine Militärkontrolle mit einer grossen Vereinzelungsanlage. Die ganze Prozedur dauerte 7 Stunden. Nach dem Hauptzoll verliess uns die Eskorte und wir fuhren selbständig nach Kashgar.

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