25.04.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Belgrad – Hässliche Stadt an einem schönen Ort

Serbien SerbienEs wird schon fast zur Routine. Um 6 heisst es aufstehen, packen, frühstücken und das Gepäck im Auto verstauen damit wir um 8 losfahren können. Die 380 km Fahrt durchs topfebene Gebiet entlang der bosnischen Grenze war eher langweilig. Zwischen Zagreb und Belgrad gibt es keine einzige grössere Stadt. Die einzige Abwechslung war der Grenzübertritt von Kroatien nach Serbien. Die Wartezeiten werden dabei immer länger und die Kontrollen intensiver. Interessanterweise waren auf der Autobahn bis kurz vor der Grenze keine Wegweiser zu sehen, dass diese Autobahn nach Belgrad führte. Nur eine kleine Ortschaft nahe der Grenze war angegeben, die wir aber kaum finden konnten auf unserer Landkarte. Um die Mittagszeit waren wir dann schon in unserem Hotel in Belgrad mitten in der Altstadt.

Da wir nur den Nachmittag und Abend in Belgrad zu Verfügung hatten entschieden wir uns   eine 21/2-stündige Stadtrundfahrt zu machen. Wir erwarteten einen Minibus. Es kam aber nur ein 6-Plätzer Kleinwagen mit 2 Notsitzen im Fond. Die Fahrt war nicht wirklich bequem aber der Guide und Fahrer war ganz stolz uns seine Stadt zu zeigen. Seine Ausführungen waren interessant, aber auch immer gespickt mit nationalistischen Untertönen so nach dem Motto: Die Serben sind die Guten und der Rest der Welt ist unfähig sie zu verstehen. Selbstverständlich führte er uns auch zu einigen Ruinen vom 1999 Nato Bombenangriff inklusive die Wiese wo einmal die chinesische Botschaft stand. Sie dienen den Serben heute als Mahnmal für den „ungerechten“ Krieg.

Belgrad hat knapp 1,7 Millionen Einwohner und eine 7000-jährigen Siedlungsgeschichte mit zahlreichen Eroberungen durch Völker wie die Römer, Kelten und Habsburger.  Sie ist eine der ältesten Städte Europas, heute allerdings auch eine der unbekanntesten. Man sieht kaum Touristen. Im 20. Jahrhundert war es die Hauptstadt des Königreiches Jugoslawien  und später des sozialistischen Jugoslawien. Heute ist sie die Hauptstadt Serbiens und leidet noch immer unter einem Negativimage. Das hat viel mit den Balkan-Kriegen der 1990er-Jahre zu tun. Spuren der jüngeren und älteren Geschichte begegnen uns auf Schritt und Tritt. Ein gewisser sozialistischer Charme ist immer noch spür- und erkennbar. Hier mündet der Fluss Save, der  sein Quellgebiet in den Julischen Alpen im Dreiländereck Italien-Slowenien-Österreich hat, in die Donau.

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