29.05.-31.05.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Kashgar oder auch Kashi  – Ein Wüstenstadt im Ausnahmezustand

China ChinaKashgar liegt am westlichen Rand der Taklamakan Wüste dort wo sich die beiden Wüstenumgehungen der Seidenstrasse wieder vereinten. Aus einer vor Jahren noch kleinen staubigen Wüstenstadt ist heute eine glitzernde moderne Millionenstadt geworden, mit einem Hauch von Las Vegas, die zum autonomen uigurischen Gebiet gehört. Von der Altstadt mit ihren Lehmhäusern ist  nicht mehr viel übrig geblieben. Der grösste Teil wurde abgerissen, um Hochhäusern Platz zu machen.

Die Stadt ist in einem permanenten Ausnahmezustand wegen der Gefahr von Anschlägen uigurischer Terroristen. Sie ist vergleichbar mit der Situation und Stimmung in israelischen Städten seit die Extremisten sich neu auf Ziele mit unbeteiligten Zivilisten fokussieren wie Märkte, Bahnhöfe oder Schulen. An allen strategischen Punkten stehen schwer bewaffnete Polizisten und Militärs und patrouillieren mit kugelsichern Westen oder gepanzerten Fahrzeugen.

Trotz vielen zugewanderten Han-Chinesen prägen die Moslems immer noch das Stadtbild was am deutlichsten untermauert wird durch die grossartige Id-Kah Moschee am gleichnamigen zentralen Platz unweit eines anderen Platzes mit einer riesigen Mao Statue. Die grossen uigurischen Basare breiten sich in den benachbarten Strassen aus. Interessant sind auch die ehemaligen Konsulate, insbesondere das russische das erhalten geblieben ist in einem historischen Gebäude das heute Teil des Hotel Seman ist.

Da China die internationalen Führer- und Fahrzeugausweise nicht anerkannt mussten wir unsere Fahrzeuge im neuen Strassenverkehrsamt ausserhalb der Stadt vorführen und antraben für die Führerprüfung. Da sie aber einen Stromausfall hatten vor einigen Tagen stauten sich hunderte von Fahrzeugen in einem heillosen Chaos vor dem Amt. Nach stundenlangem Anstehen erhielten wir die ersehnten Nummernschilder und Dokumente ohne grosse Prüfungen. Zum Glück mussten nur je ein Fahrer pro Fahrzeug diese Tortur in der Wüstenhitze über sich ergehen lassen. Ich wurde verschont dank meines Beifahrers George aus Genf.

Weiter, immer weiter. Heute verlassen wir Kashgar und fahren ins Tarim Becken, dessen zentraler Bestandteil die unerbittliche Taklamakan Wüste ist. Sie ist die zweitgrösste Sandwüste der Erde und ist eingerahmt im Norden, Westen und Süden von den Hochgebirgen Tianshan, Karakorum und Kunlun. Wir werden am Nordrand der Wüste in der Oasenstadt Aksu übernachten. Ob es dort Internet gibt weiss ich noch nicht, aber China ist immer für eine Überraschung gut. Andernfalls melde ich mich wieder wenn ich in einem WiFi Gebiet bin.

 

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