3.-5.05.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Georgien – Am Kreuzweg der Kulturen

Georgien GeorgienDer Grenzübertritt von der Türkei nach Georgien war einfacher als wir gedacht hatten. Grenze mit Moschee und Kirche Unser Expeditionsleiter François war furchtbar nervös und kaum mehr ansprechbar weil es auch für ihn eine Première war. Für eine kurze Zeit werden wir nun in eine christliche Insel im Vorderen Orient eintauchen. Der Zoll ist Sinnbild dafür. In der Mitte das futuristisch anmutende Zollgebäude aus der Sowjetepoche, daneben eine Moschee auf der türkischen Seite und eine christliche Kirche auf der georgischen Seite. Wir waren so schnell in Batumi an der Schwarzmeerküste das wir den ganzen Nachmittag Zeit zum bummeln und sonnenbaden hatten.

In Bartumi wird das Erdöl aus Aserbaidschan raffiniert und in alle Welt verschifft. Auch Ölexporte aus anderen zentralasiatischen Ländern werden hier umgeschlagen. Dieser Ölboom zieht viele internationale Investoren an, unter anderen den US Amerikaner Donald Trump, die ihr Geld in protzigen Hotel- Luxusresidenz- und Verwaltungsgebäuden investieren.

Unsere beiden höheren ehemaligen Offiziere der Schweizer Armee, Othmar und Richard, hatten mit grösstem Einsatz ein wunderbares Lokal rekognosziert für unser Abendessen. Wie genossen exklusive Meeresspezialitäten, köstliche georgische Weine und wurden begleitet von einem farbenprächtigen Wasserspiel.

Am Sonntag morgen ging es dann weiter zu unserem nächsten Etappenziel. Die Fahrt führte uns durch eine Ebene zwischen den schneebedeckten Bergen des Kaukasus im Norden und den zum teil ebenfalls noch weissen Bergen des Kleinkaukasus im Süden. Die Strassen präsentierten sich im wesentlich schlechteren Zustand als in der Türkei. Kolonnen von schweren Lastwagen wälzten sich vor uns her. Doch dann plötzlich, etwa 70 Km vor der Hauptstadt, wurde die enge Strasse durch eine hochmodernen Autobahn abgelöst. Wir tankten unsere Fahrzeuge auf der ebenfalls brandneuen Tankstelle und erhielten zum Dank noch eine Gratis Autowäsche. Sie war auch nötig geworden in der Zwischenzeit. Treibstoff ist übrigens sehr billig in Georgien. Ein Liter Diesel koset nur einen Franken.

Den Geburtsort Stalins in Gori, dem wohl bekanntesten Sohn Georgiens, liessen wir links liegen. Für eine kurze Zeit fuhren wir der südossetischen Grenze entlang und konnten auch von der Autobahn aus eines der Flüchtlings Camps sehen. Kurz vor Tiflis (Tbilisi) besuchten wir die UNESCO Weltkulturerbe Swetizchoweli-Kathedrale. In dieser Kathedrale ist einer Legende nach das Gewand „begraben“ das Jesus bei seiner Kreuzigung trug. Es soll von einem georgischen Juden namens Elias einem römischen Soldaten abgekauft worden sein. Seine Schwester Sidonia soll es an sich gedrückt haben und sei dabei sofort gestorben. Da man das Gewand nicht mehr aus ihrer Umklammerung habe reissen könne wurde sie mit ihm begraben dort wo heute die Kathedrale steht.

Am Montag hatten wir den ganzen Tag Zeit Tiflis zu erkunden. Tiflis oder georgische Tbilisi ist die Hauptstadt Georgiens. Ein viertel der Georgier oder ungefähr 1.5. Millionen leben hier. Zusammen mit Claude aus Genf und unserem Zahnarztehepaar Martin und Heidi aus Fruttigen machten wir eine Stadtrundfahrt mit dem Touristenbus. Danach bummelten wir durch die Gassen von Tiflis. Die Stadt liegt am Kreuzweg vieler Kulturen und war immer ein wichtiger Handelsplatz auch auf der Seidenstrasse. Sie wurde insgesamt 40 mal zerstört und dann immer wieder aufgebaut. Das Stadtbild ist von religiöser Toleranz geprägt. Neben Kirchen verschiedenster christlicher Richtungen gibt es Moscheen und eine Synagoge.

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