FR/SA 04./05.07.2014

Veröffentlicht am: Autor: Walter Gerig

Dieser Beitrag stammt von meinem Mitreisenden Marcel Nägler, der uns aus geschäftlichen Gründen in Lhasa verlassen musste und nun wieder zu uns gestossen ist für den letzten Teil der Reise. Marcel ist ein ehemaliger Radio Journalist und langjähriger Mediensprecher und Kommunikationschef mehrerer Schweizer Unternehmen und Institutionen und zuletzt Inhaber einer eigenen Firma für Kommunikationsberatung. Hier seine Impressionen von einer Reise von Zürich nach Ulan Ude.

Entr’acte: Reise ZRH/Ulan-Ude

Von Marcel Nägler

Russland RusslandDer Freitag morgen war ausgefüllt mit Packen, nichts vergessen und  telefonieren. Kein Stress, keine Nervosität; die Routine des Verreisens beginnt sich auszuzahlen. Nachdem ich weder den Bus, noch den Zug verpasst hatte und auch keine Rucksäcke irgendwo liegen blieben, checkte ich um 12 Uhr im Flughafen ein. Noch schnell Käse und Wisky kaufen, und dann ins Flugzeug nach Moskau. Der Airbus 320 der Aeroflot war zwar nicht alt, aber die Businessklasse irgendwie gewöhnlich. Anstatt 3 Sitze in der “Holzklasse” nur deren 2, also etwas mehr Platz, aber das war’s dann auch.

Moskau Schermetchenko ist ein riesiger Flughafen mit unübersichtlichen Wegen, kaum brauchbaren Informationen und ganz wenigen Geschäften. Ich musste also durch die Einreise- und Zollkontrolle, weil ich ja, wie erst im Nachhinein bemerkt, in Moskau einreiste und dann einen Inlandflug weiter nach Ulan-Ude nahm, logisch, aber mir zu Beginn nicht bewusst. In Moskau hatte ich genügend Zeit, um den riesigen Weg zum Domestic Terminal D zu absolvieren und dann in der Business Lounge zu verweilen, eine Lounge, die dem Namen Business kaum Ehre machte, so überfüllt und einfach war sie; aber dennoch besser als in der Halle zu warten.

Es war Mitternacht, als unsere A 319 nach Ulan-Ude startete; 6 Stunden Flugzeit und keine Liegesitze in der Business. So wurde die Zeit doch lang, auch wenn ein bisschen Schlaf im Sitzen drin lag. Bis Ulan-Ude kamen noch 5 Stunden Zeitverschiebung dazu, so dass die Landung gegen 11 Uhr morgens erfolgte. Der Empfang war herzlich, der Flugplatz chaotisch, vergleichbar mit Bern-Belpmoos, nur unorganisiert. Aber Indira von der lokalen Reiseorganisation begrüsste mich sehr freundlich und fuhr mit mir sofort zum Hotel. Wir verabredeten uns für 18 Uhr zu einem Stadtrundgang mit öffentlichem Konzert auf dem Theaterplatz im Zentrum. Die Stadt wirkte für einen Samstag recht ausgestorben, wenige Geschäfte, keine Beizen, vor allem keine Gartenlokale; das scheint in Sibirien keine Tradition zu haben, schliesslich ist es auch häufiger kalt als warm. Die Bewohner scheinen das Wochenende eher in ihrer Datscha oder am nahegelegenen Baikalsee zu verbringen.

Interessant war eine überdimensionierte Leninbüste und nicht weit davon ein Plakatbild mit dem Dalai-Lama. Dieser wurde hier schon oft eingeladen, aber nie empfangen. Die grosse Politik und die “freundschaftlichen” Beziehungen Russland-China verhinderten dies, obwohl hier am Baikal die meisten Bürger buddhistischen Glaubens sind. Nach dem Konzert gingen Indira und ich noch etwas essen, mongolische Suppe mit Schaffleisch, Gemüse und Nudeln

Am Samstag hatte ich zum Frühstück eine interessante Begegnung. Die Vorsitzende eines wisschenschaftlichen Jugendwettbewerbs war extra von Moskau zur Preisverleihung ins ferne Sibirien gekommen. Sie übersetzte für mich ein paar Sachen, damit ich überhaupt frühstücken konnte, da vom Personal niemand eine andere Sprache spricht. Die Dame war sehr gebildet, hatte auch schon die Schweiz besucht und kannte zum Beispiel den Bodensee, St, Gallen, Bregenz und Liechtenstein. Vor Jahren war sie einmal im Gefolge von Michael Gorbatschow auf einen Besuch in der Schweiz in Zürich und Bern gewesen und sehr beeindruckt, sowohl von der Schweiz als auch von Gorbatschow. Leider hatte die Begegnung nach dem Frühstück auch schon ein Ende. Die Dame flog wieder nach Moskau zurück.

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